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Vielfalt schmecken und entdecken: Wertschätzung in der Schulverpflegung

Vom 21. bis 25. September 2026 fand erstmals eine bundesweite Aktionswoche zum Tag der Schulverpflegung statt. Unter dem Motto „Vielfalt schmecken und entdecken“ boten die Vernetzungsstellen Schulverpflegung der Länder digitale und analoge Fortbildungen, Informationsveranstaltungen und Mitmachaktionen an.

Die Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Sachsen beteiligte sich mit dem Online-Seminar „Wertschätzung. Verpflegung. Spannender Unterricht: Wie passt das zusammen?“. Gemeinsam mit Lehrkräften und weiteren schulischen Akteurinnen und Akteuren wurde der Frage nachgegangen, wie Wertschätzung in der Schulverpflegung sichtbar und im Unterricht erlebbar gemacht werden kann.

Vielfalt schmecken und entdecken

Der Tag der Schulverpflegung macht bundesweit auf die Bedeutung einer gesundheitsfördernden, nachhaltigen und attraktiven Schulverpflegung aufmerksam. Schulen, Schulträger, Speisenanbieter, Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler erhalten die Möglichkeit, sich auszutauschen, neue Ideen kennenzulernen und eigene Projekte umzusetzen.

2026 wurde der Aktionstag erstmals zu einer bundesweiten Aktionswoche ausgeweitet. Die Angebote der Vernetzungsstellen Schulverpflegung der 16 Bundesländer zeigten, wie vielfältig Schulverpflegung gestaltet und mit Ernährungsbildung, Beteiligung und Schulkultur verbunden werden kann.

Vielfalt zeigt sich dabei nicht nur auf dem Speiseplan. Sie zeigt sich auch in unterschiedlichen Esskulturen, Bedürfnissen, Perspektiven, Fähigkeiten und Erfahrungen. Diese Gegebenheiten wahrzunehmen und einzubeziehen, ist eine wichtige Grundlage für eine Schulverpflegung, mit der sich Schülerinnen und Schüler identifizieren können.

Wertschätzung als Grundlage

Im Online-Seminar der Vernetzungsstelle Sachsen stand zunächst die Frage im Mittelpunkt: Was bedeutet Wertschätzung eigentlich und wie zeigt sie sich in der Schulverpflegung?

Wertschätzung bedeutet, Menschen, Lebensmittel und ihre Beiträge und dessen Wert zu erkennen und zu würdigen. Sie zeigt sich beispielsweise darin, respektvoll miteinander zu kommunizieren, die Arbeit aller Beteiligten anzuerkennen, Zeit und eine angenehme Atmosphäre für gemeinsame Mahlzeiten zu schaffen und Rückmeldungen zu ermöglichen. Auch die Beteiligung von Schülerinnen und Schülern an Entscheidungen sowie die Berücksichtigung unterschiedlicher Bedürfnisse und Perspektiven gehören dazu.

Lebensmittelwertschätzung lässt sich nicht allein durch Wissen vermitteln. Sie muss im Alltag erfahrbar sein und zu einem gelebten Bestandteil der Schulkultur werden. Dazu gehört auch, Lebensmittel bewusst auszuwählen, zuzubereiten und nicht unnötig wegzuwerfen.

Im Seminar wurde herausgearbeitet, dass Wertschätzung in der Schulverpflegung auf mehreren Ebenen wirkt.

Auf welchen Ebenen wirkt Wertschätzung? © SLfG

 

Wertschätzung darf nicht allein vom persönlichen Engagement Einzelner abhängen. Sie braucht Unterstützung durch Leitung und Träger, klare Zuständigkeiten, verlässliche Absprachen und eine gemeinsame Haltung.

Durch diese Voraussetzungen kann eine respektvolle Kommunikation, eine Beteiligung aller, eine angenehme Essensatmosphäre und ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln tatsächlich gelebt werden.

Digitale Angebote für den Unterricht

Zudem stellte die Vernetzungsstelle Sachsen im Online-Seminar zwei digitale und interaktive Angebote vor, die Beteiligung, Ernährungsbildung und nachhaltige Schulverpflegung miteinander verbinden.

Mit dem interaktiven Brettspiel VISION MENSA© können Schülerinnen und Schüler ab Klassenstufe 8 die Schulverpflegung spielerisch erkunden und eigene Ideen für eine attraktive und nachhaltige Mensa entwickeln. Das Methodenpaket verbindet Information, Austausch und Zukunftsplanung. Die Jugendlichen werden dabei nicht nur über Schulverpflegung informiert, sondern als aktive Mitgestaltende angesprochen.

Die digitale Lernausstellung THINK FOOD-THINK FUTURE© bietet verschiedene Lernstationen rund um Ernährung, Gesundheit, Klima und Umwelt. Schülerinnen und Schüler ab Klassenstufe 7 setzen sich mit ihrem eigenen Ernährungsverhalten auseinander und entwickeln ein Bewusstsein dafür, wie persönliche Entscheidungen und die Gestaltung der Schulverpflegung zusammenhängen.

Beide Angebote greifen das Motto der Aktionswoche auf: Sie laden dazu ein, Vielfalt zu entdecken, Zusammenhänge zu verstehen und eigene Ideen einzubringen. Gleichzeitig fördern sie Wertschätzung, indem sie Schülerinnen und Schüler zum Nachdenken, Mitreden und Mitgestalten anregen.

Praxisbeispiel Schule am Palmengarten

Wie Wertschätzung und Beteiligung im Schulalltag konkret aussehen können, zeigte das Praxisbeispiel der Schule am Palmengarten in Leipzig. Vorgestellt wurden die Schülerfirma des Schulkiosks und das Projekt „Klasse(n)kochen“.

Schülerfirma © SLfG

 

Ein engagierter Schüler berichtete über die Arbeit der Schülerfirma und stellte sich den Fragen der Teilnehmenden. Im Schulkiosk stellen Schülerinnen und Schüler selbst verschiedene Pausensnacks her, organisieren Abläufe und übernehmen Verantwortung. Dadurch erleben sie nicht nur die Perspektive der Gäste, sondern auch die derjenigen, die Lebensmittel vorbereiten, verkaufen und für einen reibungslosen Ablauf sorgen.

Besonders anschaulich wurde dies am Beispiel einer langen Schlange bei Regenwetter. Solche Situationen können anstrengend und herausfordernd sein. Gleichzeitig helfen sie den Schülerinnen und Schülern, die Arbeit der Küchenfachkräfte besser zu verstehen und wertzuschätzen. Sie erleben, was es bedeutet, auch unter schwierigen Bedingungen zuverlässig zusammenzuarbeiten.

Anschließend stellte Lehrer Niklas Nietz das Projekt „Klasse(n)kochen“ vor. Schülerinnen und Schüler werden dabei in verschiedene Abläufe rund um Küche, Mensa und Schulkiosk einbezogen. Sie übernehmen Verantwortung, arbeiten im Team und lernen, wie viele unterschiedliche Fähigkeiten für eine gelingende Schulverpflegung gebraucht werden.

Das Beispiel machte deutlich, wie vielfältig Beteiligung sein kann. Schülerinnen und Schüler verwalten und organisieren die Schülerfirma, Lehrkräfte begleiten und unterstützen die Projekte, der Caterer wirkt an der Umsetzung mit und die Schulleitung sowie das Kollegium tragen das Konzept gemeinsam. Jede Person bringt das ein, was sie kann, und wirkt dort, wo ihre jeweiligen Stärken liegen.

Auch Herausforderungen wurden offen angesprochen. Entscheidend ist jedoch die gemeinsame Haltung: Wir schaffen das gemeinsam und bleiben dran. Durch den Beschluss der Schulleitung und des Lehrkräftekollegiums wurde das Vorhaben in der Schule verankert und wird als gemeinsame Aufgabe verstanden.

Austausch mit den Teilnehmenden

Die Teilnehmenden brachten eigene Erfahrungen und Fragen ein. Im Austausch wurde deutlich, dass Schulen ganz unterschiedliche Voraussetzungen haben. Was an einem Standort gut funktioniert, lässt sich nicht immer unmittelbar auf eine andere Schule übertragen. Gleichzeitig stehen Lehrkräfte vor ähnlichen Fragen:

  • Wie können Schülerinnen und Schüler stärker beteiligt werden?
  • Wie kann die Mensa zu einem angenehmen Lern- und Lebensort werden?
  • Wie lassen sich unterschiedliche Bedürfnisse und Esskulturen berücksichtigen?
  • Welche strukturellen Rahmenbedingungen braucht es für erfolgreiche Projekte?
  • Wie kann Wertschätzung dauerhaft in der Schulkultur verankert werden?

Die Gespräche zeigten, dass Veränderung Zeit, Geduld und verlässliche Unterstützung braucht. Sie machten aber auch Mut, eigene Möglichkeiten auszuloten und Veränderungsprozesse Schritt für Schritt zu beginnen.

Vielfalt gemeinsam gestalten

„Vielfalt schmecken und entdecken“ bedeutet mehr, als unterschiedliche Gerichte oder Zutaten kennenzulernen. Vielfalt bedeutet auch, verschiedene Perspektiven wahrzunehmen, Beteiligung zu ermöglichen und die Fähigkeiten aller Beteiligten einzubeziehen.

Das Online-Seminar der Vernetzungsstelle Sachsen zeigte: Wertschätzung beginnt bei den Rahmenbedingungen, wird durch gute Organisation unterstützt und im täglichen Miteinander lebendig. Wenn Schulen, Träger, Speisenanbieter, Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler gemeinsam Verantwortung übernehmen, kann Schulverpflegung zu einem Ort werden, an dem Vielfalt nicht nur auf dem Teller landet, sondern auch gelebt wird.