
Zukunft auf dem Teller
Wie eine kleine Kommune ihre Kita- und Schulverpflegung gemeinsam weiterentwickelt
Wie gelingt der gemeinsame Weg zu einer gesunden, nachhaltigen und schmackhaften Kita- und Schulverpflegung? Ein Blick in die Praxis zeigt: Es muss nicht von heute auf morgen alles verändert werden. Entscheidend sind Offenheit, Geduld und der Mut, gemeinsam Schritt für Schritt voranzugehen.

Die Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Sachsen unterstützt Kommunen, Träger und Einrichtungen dabei, ihre Verpflegung systematisch weiterzuentwickeln.
Die Prozessbegleitung orientiert sich am Qualitätskreislauf bestehend aus Planen, Umsetzen, Überprüfen und Handeln.
Dabei werden die Beteiligten nicht mit fertigen Lösungen konfrontiert. Vielmehr werden sie dabei unterstützt, gemeinsam die Ausgangssituation zu betrachten, Ziele zu entwickeln, Maßnahmen zu erproben und die Ergebnisse in den Alltag zu überführen.
Von der Idee zum gemeinsamen Prozess
Die Gemeinde Priestewitz wandte sich Ende 2024 mit ihrem Anliegen an die Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Sachsen. Im Sommer 2025 startete die gemeinsame Prozessbegleitung zur Weiterentwicklung der kommunalen Kita- und Schulverpflegung.
Da an der Verpflegung viele Menschen beteiligt sind, bilden funktionierende Kommunikationsstrukturen das A und O. Deshalb wurde zunächst ein Steuergremium bestehend aus Vertreter*innen der Gemeindeverwaltung, der Küche, der Kindertageseinrichtungen, der Grundschule und der Elternschaft gegründet. Zusätzlich wurden Verpflegungsverantwortliche in den Kitas und der Grundschule benannt.
Denn eine Veränderung kann nur gelingen, wenn unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt werden: Was bringt ein überarbeiteter Speiseplan, wenn die Gerichte bei den Kindern nicht ankommen? Und was nützen neue Abläufe, wenn sie sich nicht in den Kita- und Schulalltag integrieren lassen?
Die Ausgangssituation gemeinsam betrachten
Um herauszufinden, wie die aktuelle Verpflegung auf dem Teller und am Essenstisch erlebt wird, wurden zunächst ausführliche Ist-Checks durchgeführt. Grundlage bildeten die DGE-Qualitätsstandards für die Verpflegung in Kitas und Schulen. Betrachtet wurden unter anderem die Bereiche:
- Kommunikation und Beteiligung,
- Mahlzeitengestaltung,
- Speiseplanung,
- Qualität der eingesetzten Lebensmittel und Speisen.
Die Ergebnisse wurden im Steuergremium gemeinsam mit der Vernetzungsstelle intensiv ausgewertet. In einem partizipativen Prozess entstand ein gemeinsames Verständnis davon, was eine gute Verpflegung in Priestewitz ausmacht.
Dabei wurden verschiedene Begriffe gesammelt und gemeinsam gewichtet.
Deutlich wurde: Die Kinder sollen eine frische, abwechslungsreiche und schmackhafte Verpflegung erhalten, die zugleich stärker pflanzenbasiert ausgerichtet ist.
Zwei Qualitätsbereiche wurden zunächst als besonders wichtig herausgearbeitet:
Kommunikation und Beteiligung Speisenplangestaltung

Aus Ideen werden konkrete Ziele
Auf dieser Grundlage entwickelte das Steuergremium erste Ziele und Maßnahmen. Dabei wurde darauf geachtet, dass die Ziele konkret und überprüfbar sind. Sie orientieren sich am
SMART-Prinzip: Sie sind spezifisch, messbar, attraktiv beziehungsweise akzeptiert, realistisch und terminiert.
Kommunikation und Beteiligung
Für eine bessere Kommunikation rund um die Mahlzeiten wurden unter anderem folgende Ziele vereinbart:
- Die Einrichtungen erhalten künftig die Speisepläne frühzeitig zur Durchsicht. Dies wird derzeit in einer Einrichtung erprobt.
- In jeder Einrichtung gibt es eine oder einen Verpflegungsbeauftragten. Diese Person bündelt Rückmeldungen aus dem pädagogischen Team, sowie von den Kindern und gibt sie an die Küche weiter.
- Aufbau bzw. Weiterentwicklung eines Feedbacksystems, damit Rückmeldungen zu den Mahlzeiten zeitnah bei der Küche ankommen.
- Regelmäßige Elternbefragungen zu Wünschen und Erwartungen werden in den Einrichtungen implementiert.
Speisenplangestaltung
Bei den Veränderungen zur Speiseplangestaltung wird sich zunächst auf Menülinie 1 – die Kinderlinie konzentriert. Vereinbart wurden unter anderem folgende Ziele:
- Angebot einer vegetarischen Alternative zu Fleischgerichten (zweimal pro Woche)
- mehr Vielfalt bei den Getreide- und Kartoffelprodukten
- Test eines alternativen Getreideprodukts wie Goldhirse oder Vollkornreis (einmal pro Woche)
- mindestens alle 14 Tage Einsatz von Hülsenfrüchten wie Linsen oder Bohnen
Kleine, realistische Ziele schaffen Orientierung und lassen Raum für Erfahrungen.
Ergänzende Impulse im Prozess
Die gemeinsam festgelegten Ziele und Maßnahmen wurden im weiteren Verlauf durch verschiedene Angebote der Vernetzungsstelle begleitet. Diese dienten dazu, Wissen zu vermitteln, praktische Erfahrungen zu ermöglichen und die Beteiligten bei der Umsetzung im Alltag zu unterstützen.
Ein erster Impuls richtete sich an die pädagogischen Fach- und Küchenkräfte und beschäftigte sich mit dem Thema „Essen lernen“. Dabei wurde deutlich: Kinder müssen neue Lebensmittel und Geschmäcker häufig erst kennenlernen. Geschmack entwickelt sich durch wiederholte Erfahrungen. Eine wertschätzende Begleitung und ausreichend Zeit können dazu beitragen, dass Kinder sich auf neue Speisen einlassen.
Ergänzend fand im September 2026 eine Küchenschulung statt. Gemeinsam mit einem Schulungskoch probierten eine Köchin, eine pädagogische Fachkraft, eine Elternvertretung und die Schulleitung verschiedene Lebensmittel und Gerichte aus. Auf dem Tisch standen unter anderem Goldhirse, Vollkornreis, Quinoa, Linsen und Bohnen. Zubereitet und verkostet wurden unter anderem eine vegetarische Bolognese und eine Kürbissoße.
Die Schulung bot die Möglichkeit, neue Zutaten und Zubereitungsformen kennenzulernen und gemeinsam zu überlegen, wie diese in die Kinderlinie integriert werden können. Auch die pädagogischen Fachkräfte konnten die Speisen probieren und ihre Eindrücke einbringen. Der kurze Besuch der Bürgermeisterin machte ihre grundsätzliche Unterstützung für die Weiterentwicklung der Kita- und Schulverpflegung sichtbar. Damit wurde eine praktische Grundlage geschaffen, um die vereinbarten Ziele zur abwechslungsreicheren und stärker pflanzenbasierten Speisenplangestaltung zu verfolgen.
Als weiterer Baustein ist im November 2026 ein Elternabend vorgesehen. Er soll über den bisherigen Prozess, die gemeinsam vereinbarten Ziele und die geplanten Veränderungen informieren. Zugleich bietet er Raum für Fragen, Rückmeldungen und die Wünsche der Eltern. Damit wird die Beteiligung der Familien als weiterer Bestandteil der Qualitätsentwicklung gestärkt.
Der Prozess geht weiter
Das Angebot der gemeinsamen Prozessbegleitung der Vernetzungsstelle ist als Unterstützung innerhalb eines längerfristigen Entwicklungsprozesses zu verstehen. Sie ersetzt nicht die gemeinsame Arbeit vor Ort, sondern gibt fachliche Impulse, schafft Austauschmöglichkeiten und hilft dabei, die vereinbarten Ziele mit Leben zu füllen.
Ende des Jahres endet die Prozessbegleitung von Seiten der Vernetzungsstelle mit einem zunächst letzten Termin gemeinsam mit dem Steuergremium. Dabei wird es nicht nur um einen Rückblick auf die bisherigen Schritte gehen, sondern vor allem geschaut werden, wie das Verpflegungsgremium auch künftig nachhaltig im Kita- und Schulalltag weiterarbeiten kann.
Im Mittelpunkt stehen Fragen wie:
- Wie soll das Gremium zukünftig zusammenarbeiten?
- Welche Aufgaben und Zuständigkeiten bleiben bestehen?
- Wie werden Rückmeldungen aus den Einrichtungen, von den Kindern, Eltern und der Küche gesammelt?
- In welchen Abständen sollen die vereinbarten Ziele überprüft und weiterentwickelt werden?
Der Prozess bleibt in Bewegung: Die gemeinsam vereinbarten Ziele werden im Alltag erprobt, Erfahrungen werden ausgewertet und die nächsten Entwicklungsschritte werden gemeinsam festgelegt.
Die Vernetzungsstelle bedankt sich für die vertrauensvolle Zusammenarbeit bei der Gemeinde Priestewitz, wünscht alles Gute für die nächsten Schritte und steht selbstverständlich weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung.


